Das Hobby geklaut

Die Dinge laufen langsam aus dem Ruder. Die Welt hier im Park ist eine friedliche Scheinwelt, mit den Pokémon-Jägern,  den Softballspielern, den Slackline-Typen,  den Hundebesitzern und den nörgelnden Rentnern. Die den Park umgebende Wirklichkeit, ist ein rauer Ort und in Wahrheit ziemlich bösartig und schlecht. Wir alle wissen das. Schlimme Dinge haben sich gestern Nacht zugetragen. Dinge, die mich beklommen machen. Dinge die mir zeigen wie die Welt normalerweise funktioniert. Das will man manchmal garnicht wissen. Trotzdem muss man irgendwie umgehen können, mit dem unfreiwillig erworbenen Know-How. Ich schätze in meinem Fall wird es noch eine Weile dauern, bis ich mich an die neuen Erkenntnisse gewöhnt habe.

Man braucht entweder Radar, infrarote Wellen oder Restlichtverstärker wenn man Objekte oder Personen im Dunkel der Nacht orten will. BND und NSA machen, neben der üblichen Datenbespitzelung, regen Gebrauch von diesen klassischen Beobachtungstechniken. Hat man nicht zufällig einen Geheimdienst um die Ecke, ist man allerdings aufgeschmissen. Dann kann alles mögliche passieren ohne detektiert zu werden. Die Vorstellung das Dinge einfach so vor sich gehen, empfindet man in unserer Zeit schon fast als beunruhigender als die totale Überwachung. Wie ich finde, könnten Geheimdienste ihre nützlichen Observationspraktiken ruhig auch öfter für zivile, nachbarschaftliche Anfragen zur Verfügung stellen. Vielleicht hätte man dann mal im richtigem Moment ein schönes restlichtverstärktes Foto oder ein Wärmebild, von den aufregenden Dingen die nachts passieren. Von dem Typen zum Beispiel, der hier gestern Nacht sein Unwesen in unserem Haus getrieben hat.

Streichen wir die Berufbezeichnung Einbrecher und ersetzen wir sie durch Kandidat. Es muss sich für den Kandidaten ein bisschen so angefühlt haben, wie die Teilnahme an der  großartigen Dauerwerbesendung Geh aufs Ganze!, die jahrelang erfolgreich auf SAT.1  gelaufen ist. Kern der Gameshow waren drei Tore, von denen man nie so recht wußte welcher Preis sich dahinter befindet. Der große Reiz des Formats lag im starken Wechselspiel von Gewinn und Verlust. Nicht nur für die Teilnehmer der Show, sondern auch für das Publikum. Vor Ort und vor dem Bildschirm war eine emotionale Berg- und Talfahrt garantiert. Kaum hatte ein Kandidat Aussicht auf einen fetten Gewinn, verlohr er oder sie ihn auch schon wieder durch die Gier nach dem —vermeintlich— nächstbesseren Preis. Diese traurige Vorführung menschlicher Schwächen zur besten Sendezeit, endete nicht selten mit einem hässlichen Stofftier als Trostpreis in der Hand. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Bei den allermeisten Unternehmungen kommt es auf die richtige Balance von Überlegung und Zufall an.

Wie du, lieber Mann mit Maske, die Haustür aufgestemmt hast, das war ziemlich geübt. Die Flurtür zum Keller war kein ernstzunehmendes Hindernis. Wir wissen nun beide, dass es sich um ein Standardschloss mit einem Standardschlüssel handelt. Weiter unten bist du leider erstmal links abgebogen. Dafür gab es aus dem Off  plötzlich dieses störende Geräusch vom Zonk,  dem Plüschtier gewordenen Pech, aus der eben erwähnten Dauerwerbesendung. Ich hätte dir gleich sagen können, dass hinter »Tor 1«, im Keller der ollen Schreckschraube, höchstens ein paar alte Blumenkästen lagern. Normalerweise gibt es bei Geh aufs Ganze!  keine zweite Chance, aber möglicherweise passt du sowieso nicht unbedingt zum Klientel das gerne in Dauerwerbesendungen mitwirkt, mit diesen Einstichstellen in der Armbeuge. Schauen wir mal was sich hinter dem Vorhang von »Tor 3« verbirgt: Ja, da ist er endlich, der heiß ersehnte Hauptgewinn! Willkommen in meinem lauschigen Keller. Sie gehören jetzt alle dir, die schönen Fahrräder! (hoffentlich nur temporär)

Ich werde wohl noch eine Weile im Bewertungsraster herumirren. Es geht unter anderem um die Neubewertung von Eigentum im Allgemeinen und meinem eigenen Eigentum im Speziellen. Es geht ausserdem um die Umdeutung von privatem Raum in öffentlichem Raum und um die Frage warum sich das Schicksal in so verdammt engen Bahnen um scheinbar banale Dinge wie Besitz und Kapital windet. Davon abgesehen. Das wirklich Wichtige ist noch ist noch da: Mucki, Hasi und Julla.

 

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