Unfreiwillig E-Biker werden

Gestern habe ich den Park hinter mir gelassen und bin mit dem Fahrrad ein Stückchen über die Felder gefahren. Es gibt so eine Strecke wo man parallel zu einer Hochspannungsleitung fährt. Die hängt da ziemlich tief in der Gegend rum. Man könnte sagen: Natur und Technik kommen sich dort sehr nahe. Ich bilde mir ein die elektromagnetischen Felder spüren zu können. 200.000 Volt, die da über dem eigenen Kopf herumpulsen, sind schon eine imposante Zahl, wenn man bedenkt das auch viel weniger Spannung zum Betrieb eines elektrischen Stuhls ausreichen würde. Die Luft unter so einer Leitung knistert auch schon ein bisschen gefährlich. Die Stimme der Energie  mit dem knarzenden R aus dem Kraftwerkalbum Radioaktivität  spricht aus dem ionisierten Äther zu meinen aufgestellten Nackenhaaren. Mein Vorstellungsvermögen reicht auf jeden Fall aus um mir diverse Szenarien auszumahlen in denen tödliche Elektrizität die Hauptrolle spielt. Der Funke könnte ja auch einfach mal auf mich überspringen. Wer sagt eigentlich das der Strom immer so schön da oben bleibt? Vielleicht haben ja ein paar versprengte Elektronen Lust auf ein selbstbestimmtes Leben ausserhalb der ollen Leitung. Vielleicht wollen die garnicht im Standmixer enden oder im Toaster oder im E-Bike-Akku? Echte Anarcho-Elektronen aus ostdeutschen Braunkohlekraftwerken wollen frei sein. Einfach mal ZISCH! zum Blitz werden. Warum sollte diese, in Elektroniker-Kreisen wahrscheinlich als Spontanentladung bezeichnete Unwahrscheinlichkeit, nicht ausgerechnet dann passieren wenn ich eine Runde auf dem Rad unterwegs bin, unter dieser mächtigen Überlandleitung. »Mann wurde unfreiwillig zum E-Biker.« So wird es eine bekannte überregionale Zeitung titeln.

Zur Zeit ist aber auch ohne dicke Kabel genug los am Himmel über Deutschland. Ein wunderschöner Regenbogen, heute Abend, war noch eine der angenehmsten himmlischen Begleiterscheinungen der letzten schwülen Maitage. Ständig zucken Blitz und Donner. In der Pfalz wurden nach Regengüssen bilbischen Ausmaßes zwei, drei kleinere Orte weggespült. Irgendwo anders im Süden fuhr der Blitz in eine ganze Fußballmanschaft und bestätigte damit indirekt, dass die statistische Wahrscheinlichkeit vom Blitz erwischt zu werden deutlich höher liegt als die im Lotto zu gewinnen. Ob sich durch Fälle von Vielblitzerei auch die Gewinnquote ändert?

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